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Wie sicher sind Österreichs Websites? Nur 12 Prozent gegen E-Mail-Betrug geschützt

#Sicherheit#Phishing#DMARC#Studie#Österreich

Ein Kunde von euch öffnet sein Postfach und findet eine Rechnung. Euer Name, euer Logo, nur die Kontonummer gehört jemand anderem. Bei 88 Prozent der österreichischen Firmen-Domains ist genau das jederzeit möglich, weil niemand die Absenderfälschung blockiert. Ich habe im September 2026 mehr als 330.000 aktive österreichische Websites samt ihren Domains geprüft. Hier sind die Zahlen, und was du in zehn Minuten dagegen tun kannst.

Artikel veröffentlicht am 9.10.2026

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René
Autor von diesem Artikel und Gründer
von webgaudi.at

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Die Rechnung trägt euren Namen, geschrieben hat sie wer anderer

Bei einem Tischler in Wien läutet das Handy, dran ist eine Stammkundin. Sie hat die Rechnung gerade überwiesen, wie gewünscht auf das neue Konto. Nur hat der Tischler nie eine neue Rechnung geschickt, und ein neues Konto gibt es auch nicht. Jemand hat ein E-Mail mit dem Absender der Tischlerei verschickt, gleiches Logo, gleiche Signatur.

Dafür braucht es keinen Hackerangriff, und in euer Postfach muss auch niemand einbrechen. Das E-Mail-System funktioniert nämlich wie die klassische Post. Auf ein Kuvert kann jeder schreiben, was er will, auch euren Firmennamen als Absender, und ob das stimmt, prüft unterwegs niemand. Bei den meisten österreichischen Domains lässt sich der Absender deshalb mit ein paar Klicks fälschen, weil technisch nie konfiguriert wurde, dass gefälschte Mails abzuweisen sind.

Mit Domain meine ich dabei eure Internet-Adresse, etwa tischlerei-beispiel.at. An ihr hängt die Website, und an ihr hängen die E-Mail-Adressen wie office@tischlerei-beispiel.at. Wer die Domain besitzt, kann allen Mailservern der Welt mitteilen, wie streng sie mit angeblichen Mails von dieser Adresse umgehen sollen. Nur tut das kaum jemand.

Nur 12 Prozent der Domains sind gegen E-Mail-Betrug geschützt

Nur 12 Prozent der österreichischen Firmen-Domains verhindern wirksam, dass Betrüger E-Mails in ihrem Namen verschicken. Der Schutz heißt DMARC und ist ein einzelner Eintrag beim Domain-Anbieter, der allen Mailservern der Welt sagt, wie sie mit gefälschten Absendern umgehen sollen.

Rund 300.000 aktive österreichische Domains haben ein Postfach. 42 Prozent davon haben so einen Eintrag, bei 30 Prozent steht er aber nur im Beobachtungsmodus, der Fälschungen zwar meldet, aber durchlässt. 58 Prozent haben gar nichts.

Beobachtungsmodus heißt, der Eintrag existiert zwar, sagt den empfangenden Mailservern aber nur "gebt mir Bescheid, stellt die Mail trotzdem zu". Für den Betrüger macht das keinen Unterschied, seine gefälschte Rechnung landet genauso im Posteingang.

Schutz vor Absenderfälschung bei österreichischen Mail-Domains

Rund 300.000 aktive Domains mit Postfach, drei Gruppen

  • Gefälschte Mails werden abgewiesen 12 %
  • Nur Beobachtung, Fälschungen kommen durch 30 %
  • Kein Schutz eingerichtet 58 %

Quelle: Eigene Auswertung von 1,3 Mio österr. Domains, Stand Sep. 2026, Website-Report Österreich 2026

Zur Einordnung, ganz ohne Technikwissen. Ein Mailserver kann beim Empfang jeder Mail nachschauen, ob der angebliche Absender die Mail überhaupt verschicken durfte. Die Antwort darauf hinterlegt der Domain-Inhaber selbst, in drei kleinen Einträgen, und die Post-Analogie von vorhin passt dafür erstaunlich gut. Der erste Eintrag (SPF) ist die Liste der Poststellen, die Briefe mit eurem Absender aufgeben dürfen, den haben immerhin 86 Prozent. Der zweite (DKIM) klebt auf jede Mail ein fälschungssicheres Siegel. Und der dritte (DMARC) ist die Anweisung an den Briefträger, was er mit einem Brief tun soll, bei dem Liste oder Siegel nicht passen. Wegwerfen, in den Spam schieben oder trotzdem zustellen.

Glühbirnen-Emoji

Warum prüft das E-Mail-System den Absender nicht von selbst?

Weil es dafür nie gebaut wurde. Das Verfahren (SMTP) über das bis heute jede E-Mail läuft, stammt aus dem Jahr 1982, als das Internet ein überschaubarer Club aus Universitäten war und niemand an Betrug dachte. SPF, DKIM und DMARC wurden erst Jahrzehnte später nachgerüstet und sind bis heute freiwillig. Wer sie nicht einrichtet, verschickt seine Post auf dem Stand von 1982.

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Was du in zehn Minuten tun kannst

Der Schutz kostet nichts, und programmieren musst du dafür auch nichts.

1. Nachfragen

Ein Satz an euren Mail-Anbieter oder Webdesigner genügt. "Bitte richtet für unsere Domain SPF, DKIM und DMARC mit der Einstellung reject ein."

2. Beobachten

Oft startet man im Beobachtungsmodus. Laufen Newsletter-Tool, Rechnungsprogramm und Buchungssystem zwei Wochen ohne Probleme, wird auf reject umgestellt.

3. Prüfen lassen

Kostenlose Prüfdienste (wie Learn DMARC) zeigen in Sekunden, ob deine SPF, DKIM und DMARC Einträge passen.

Warnschild-Emoji

Achtung bei mehreren Absendern

Kommen eure Mails von mehreren Stellen, etwa aus dem Büro-Postfach, vom Newsletter-Tool und aus dem Rechnungsprogramm, müssen alle in den Einträgen stehen. Fehlt eine, landen eure eigenen Mails im Spam. Genau dafür ist der Beobachtungsmodus am Anfang da.

Warum das gerade für kleine Betriebe zählt

Große Konzerne haben eine IT-Abteilung, die solche Einträge pflegt. Beim Installateur in Wels, in der Ordination in Graz oder in der Steuerberatungskanzlei in Wien kümmert sich meist niemand darum, und genau dort wirkt die gefälschte Rechnung am besten, weil die Kunden dem Absender vertrauen.

Dazu kommt, dass sich die Betrüger niemanden gezielt aussuchen müssen. Solche Angriffe laufen automatisiert, Programme klappern die Domains der Reihe nach ab, prüfen in Sekunden, wo der Schutz fehlt, und verschicken dann massenhaft Mails. Ob dahinter ein Konzern steckt oder eine Bäckerei mit drei Mitarbeitern, ist dem Programm egal. Es zählt nur, dass die Tür offen steht.

Aus meiner Erfahrung wissen die meisten Betriebe gar nicht, dass es diesen Schutz gibt, bis es passiert ist. Die Zahlen aus dem Report sagen dasselbe. Neun von zehn Betrieben in Österreich haben die Tür offen stehen, und die meisten ahnen nichts davon.

Der ganze Website-Report Österreich 2026

Alle Ergebnisse aus mehr als 330.000 aktiven österreichischen Websites auf einer Seite, mit interaktiver Karte je Bundesland und Wiener Bezirk.

Jede zehnte Website in Österreich ist unsicher

82 Prozent der österreichischen Websites leiten ihre Besucher automatisch auf die sichere, verschlüsselte Verbindung um, die der Browser mit dem Schloss-Symbol anzeigt. Bei jeder zehnten Website ist die Verschlüsselung kaputt, und 1 Prozent hat gar keine.

Browser-Adresszeile mit http:// und durchgestrichenem Schloss, darunter eine Warnung vor einer unsicheren Verbindung

Hinter dem Schloss-Symbol steckt ein Zertifikat, eine Art digitaler Ausweis der Website, den der Browser bei jedem Besuch kontrolliert und mit dem er die Verbindung verschlüsselt. Kaputt bedeutet meistens ein Zertifikat, das nicht zur Adresse passt, weil mehrere Domains auf demselben Server liegen und nur eine davon eingerichtet wurde.

Der Browser zeigt dann gar nicht erst die Website, sondern eine große rote Warnung mit dem Satz "Die Verbindung ist nicht sicher", und praktisch jeder Besucher dreht an dieser Stelle um.

Betroffen sind rund 32.000 Websites, bei weiteren 5.000 ist das Zertifikat schlicht abgelaufen, weil niemand den Ausweis verlängert hat. Bei einem modernen Hoster passiert das automatisch im Hintergrund, bei alten Verträgen muss jemand daran denken, und genau das passiert nicht.

Verschlüsselte Verbindung (HTTPS) auf österreichischen Websites

Über 330.000 aktive Websites, vier Gruppen

  • Sicher, mit automatischer Umleitung 82 %
  • Sicher, aber ohne Umleitung 7 %
  • Kaputt, Browser warnt 10 %
  • Keine Verschlüsselung 1 %

Quelle: Eigene Auswertung von 1,3 Mio österr. Domains, Stand Sep. 2026, Website-Report Österreich 2026

Drei von vier Zertifikaten stammen von Let's Encrypt, einer gemeinnützigen Zertifizierungsstelle, die sie gratis ausstellt und alle paar Monate automatisch erneuert. Das bezahlte Zertifikat, für das Hoster früher Jahr für Jahr kassiert haben, ist in Österreich praktisch ausgestorben. Wer heute noch dafür zahlt, zahlt für nichts.

Glühbirnen-Emoji

So prüfst du das in zehn Sekunden

Tipp eure Adresse ohne https:// in den Browser ein, also http://deine-domain.at. Werdet ihr automatisch auf https:// weitergeleitet und das Schloss-Symbol ist sichtbar, passt alles. Bleibt es bei http:// oder erscheint eine Warnung, solltet ihr das unbedingt beheben lassen.

Dabei geht es um mehr als das Symbol im Browser. Ohne Verschlüsselung wandert alles, was ein Besucher auf eurer Website eintippt, im Klartext durchs Netz, vom Namen im Kontaktformular bis zur Telefonnummer. Eine unverschlüsselte Verbindung ist wie eine Postkarte, jeder, durch dessen Hände sie unterwegs geht, kann mitlesen. Im offenen WLAN eines Kaffeehauses reicht dafür ein Laptop am Nebentisch. Sobald solche personenbezogenen Daten übertragen werden, ist das auch rechtlich nicht erlaubt. Art. 32 DSGVO verlangt Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik und nennt die Verschlüsselung ausdrücklich als Beispiel.

Warnschild-Emoji

Vorsicht! Ein Schloss heißt nicht automatisch seriös

Auch Betrugsseiten tragen heute fast immer ein gültiges Zertifikat. Das Schloss sagt nur, dass kein Dritter die Kommunikation mitlesen kann, nicht, mit wem du sprichst. Als Besucher also zusätzlich auf die Adresse selbst schauen.

Häufige Fragen zu E-Mail-Betrug und Website-Sicherheit

Was genau ist E-Mail-Spoofing / Absenderfälschung?

Absenderfälschung, auf Englisch Spoofing, heißt, dass jemand ein E-Mail verschickt, das beim Empfänger so ankommt, als wäre es von eurer Adresse. In euer Postfach muss dafür niemand einbrechen. Das E-Mail-System verlangt von sich aus keinen Nachweis, dass der Absender echt ist, genauso wie man auf ein Briefkuvert jeden beliebigen Absender schreiben kann.

Verhindern kann das nur der Inhaber der Domain, indem er drei kleine Einträge hinterlegt (SPF, DKIM und DMARC). Sie sagen den Empfängern, welche Mails echt sind und was mit Fälschungen passieren soll. In Österreich haben das laut meinem Website-Report nur 12 Prozent der Firmen-Domains wirksam eingerichtet.

Was ist DMARC, einfach erklärt?

DMARC ist eine Anweisung, die ihr für eure Domain hinterlegt und die jedem Mailserver der Welt sagt, was er mit E-Mails machen soll, die eure Adresse als Absender tragen, aber nicht von euch stammen. Zur Auswahl stehen drei Varianten. Nichts tun und nur melden, in den Spam-Ordner schieben oder abweisen.

Wirklich schützen tut nur die Einstellung "abweisen" (reject).

Was kostet es, die eigene Domain gegen E-Mail-Betrug zu schützen?

Nichts. Die Einträge sind bei jedem Domain-Anbieter gratis und in zehn Minuten gesetzt. Keine Gebühr, kein Abo. Der einzige Aufwand ist, dass jemand mit etwas Erfahrung die Einträge anlegt.

Woran erkenne ich, ob unsere Website eine sichere Verbindung hat?

Am Schloss-Symbol in der Adressleiste des Browsers und daran, dass die Adresse mit https:// beginnt. Tipp eure Adresse ohne Vorsatz ein. Landet ihr automatisch auf der Version mit Schloss, passt alles. Erscheint eine Warnung oder bleibt es bei http://, fehlt entweder das Zertifikat oder die automatische Umleitung.

Schützt ein SSL-Zertifikat vor Hackern?

Nein. Das Zertifikat verschlüsselt nur den Weg zwischen Besucher und Website, damit unterwegs niemand mitlesen kann. Gegen veraltete Software, unsichere Plugins oder gefälschte E-Mails hilft es nicht. Eine Website kann ein makelloses Schloss-Symbol tragen und trotzdem seit Jahren ohne Sicherheitsupdates laufen.

Laut meinem Website-Report läuft fast jede zweite österreichische Website, die die Version ihrer Server-Software verrät, auf einer Version ohne Sicherheitsupdates. Das Schloss ist also die Basis, nicht das Ende der Sicherheit. Was Angreifer mit veralteter Software anrichten, zeige ich im Artikel über XSS-Attacken.

Bin ich als kleiner Betrieb in Österreich überhaupt ein Ziel für E-Mail-Betrug?

Ja, gerade kleine Betriebe sind ein beliebtes Ziel, weil ihre Kunden dem Absender vertrauen und sich niemand um die Domain-Einträge kümmert. Der Klassiker ist die gefälschte Rechnung mit geänderter Bankverbindung an einen Stammkunden. Solche Angriffe laufen automatisiert ab. Die Betrüger suchen sich nicht einen Betrieb aus, sie nehmen alle Domains ohne Schutz.

Meine Auswertung zählt rund 260.000 solcher Domains in Österreich. Ein Handwerksbetrieb in Linz oder eine Ordination in Innsbruck steht damit ziemlich sicher auf der Liste. Der Schutz kostet nichts.

Landen unsere eigenen Mails im Spam, wenn wir den Schutz einrichten?

Nur dann, wenn ein Absender vergessen wurde, etwa das Newsletter-Tool oder das Rechnungsprogramm. Genau deshalb starten die Einträge im Beobachtungsmodus. Zwei Wochen lang meldet das System, welche Mails im Namen eurer Domain unterwegs sind, und erst wenn alle legitimen Absender eingetragen sind, wird auf "abweisen" umgestellt.

Richtig eingerichtet passiert sogar das Gegenteil. Eure Mails landen seltener im Spam, weil Empfänger wie Gmail und Microsoft Absender mit sauberen Einträgen bevorzugen. Seit 2024 verlangen beide von Massenversendern sogar ausdrücklich DMARC.

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